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Arbeitsbedingter Krebs: Die unterschätzte Gefahr – Weltkrebstag 2026 

Krebs ist nach wie vor die häufigste tödliche Berufskrankheit in Deutschland. Zum Weltkrebstag am 4. Februar 2026 macht die Basi, Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, darauf aufmerksam, wie wichtig Prävention ist – und auf Menschen, die trotz aller Vorsorge noch heute erkranken, weil sie über Jahre krebserzeugenden Stoffen oder anderen Einwirkungen ausgesetzt waren.

Jedes Jahr erkranken Menschen an Krebs, weil sie am Arbeitsplatz krebserzeugenden Stoffen ausgesetzt waren. Das Tückische ist, dass oft Jahrzehnte vergehen, bis die Krankheit ausbricht. Arbeitsbedingter Krebs ist in Deutschland seit Jahren die häufigste tödliche Berufskrankheit. 2024 wurden laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) 26.821 Berufskrankheiten anerkannt,1.888 Todesfälle waren darauf zurückzuführen – ein Großteil davon aufgrund von Krebs. „Berufskrebs ist kein Randthema. Deshalb braucht Prävention eine klare Priorität – in Betrieben, Organisationen und der Politik“, betont Dr. Christian Felten, Geschäftsführer der Basi.

Die Bandbreite der Risiken ist dabei groß: Von Benzol und Formaldehyd über Dieselmotoremissionen bis zu Quarz- oder Hartholzstäuben – in vielen Branchen sind Tätigkeiten mit krebserzeugend Gefahrstoffen noch immer an der Tagesordnung. Besonders betroffen sind Bau- und Abbruchgewerbe, Metall- und Holzverarbeitung, Kunststoffindustrie, Gesundheitswesen sowie Land- und Forstwirtschaft.

Asbest bleibt dabei trotz Verbot eine der zentralen Ursachen. Auch Jahrzehnte nach dem letzten Einsatz erkranken Menschen an Asbest-bedingten gefährlichen Tumoren. Das geschieht zum Beispiel als Folge von Renovierungsarbeiten, weil Asbest noch bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in bestimmten Materialien verbaut wurde.

Heute über die Gesundheit von morgen entscheiden

Krebserkrankungen von heute spiegeln also die Arbeitsbedingungen der 1980er oder 1990er Jahre wider. Felten: „Was wir heute tun, schützt Beschäftigte für die Zeit in zehn, 20 oder 30 Jahren.“ Doch genau deshalb ist der Einsatz für gesunde Arbeitsplätze so entscheidend.

„Wer heute für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen sorgt, verhindert das Leid von morgen“, sagt Dr. Felten. „Daran arbeiten wir als Basi gemeinsam mit unseren Partnern – für eine Arbeitswelt, die Menschen schützt statt gefährdet.“ Der Weltkrebstag 2026 ist aus seiner Sicht ein Anlass, daran zu erinnern: Prävention ist kein einmaliges Projekt, sondern eine kontinuierliche gemeinsame Aufgabe.

Ein Beispiel für die langen Schatten der Arbeitswelt

Prof. Dr. med. Karl R. Aigner, Ärztlicher Direktor des Medias Klinikums in Burghausen, erklärt, dass das Pleuramesotheliom zum Beispiel typisch berufsbedingt ist. „Es ist ein bösartiger Tumor des Rippen- und Lungenfells, dessen Ursprung fast ausschließlich in einer jahrzehntealten Asbestbelastung liegt.“ Viele Betroffene hätten in Berufen gearbeitet, in denen Asbest früher als Dämm- oder Isoliermaterial selbstverständlich war – etwa im Bau, Handwerk oder Schiffbau.

Therapeutisch besonders herausfordernd sei, dass der Tumor „nicht als einzelner Knoten wächst, sondern flächig das Rippen- und Lungenfell überzieht“. Symptome wie Atemnot oder Brustschmerzen treten oft erst spät auf. Dadurch wird die Diagnose häufig in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt

Der Experte empfiehlt Menschen mit früherer Asbestexposition dringend die nachgehende Vorsorge der gesetzlichen Unfallversicherung: „Je früher die Diagnose, desto besser die Behandlungsmöglichkeiten.“

Was tut man heute, um arbeitsbedingte Krebserkrankungen zu vermeiden?

Damit es gar nicht erst zu Erkrankungen kommt, ist Prävention der entscheidende Faktor. Rechtliche Grundlagen bilden u.a. das Arbeitsschutzgesetz, die Gefahrstoffverordnung sowie die passenden Technischen Regeln (TRGS). Das GDA-Arbeitsprogramm „Sicherer Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen“ unterstützt Betriebe bei der Gefährdungsbeurteilung und gibt Hinweise zur Umsetzung von Maßnahmen. Aber nicht nur Gefahrstoffe, sondern auch andere Einwirkungen wie z.B. UV-Strahlung im Freien müssen für eine umfassende Prävention berücksichtigt werden.

Info: In gesonderten Texten stellen das Institut für Arbeitssicherheit der DGUV (IFA) in Sankt Augustin sowie das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA) in Bochum ihre Arbeit vor.

Weitere Auskünfte zum Thema berufsbedingter Krebs

DGUV Zahlen

MAGS NRW zum berufsbedingten Krebs und Gefahrstoffen

Ausführliche Informationen zu spezifischen Berufskrankheiten bietet die BAuA in Form von Merkblättern und wissenschaftlichen Empfehlungen.

Ursachen für arbeitsbedingte Krebserkrankungen, etwa Lungenkrebs und Mesotheliome. Übergeordnete Fachquellen: BAuA-Merkblätter

Informationen über und Zugang zur Zentralen Expositionsdatenbank.

Informationsseiten des IFA zu Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen

Informationsseitenportal des IFA zu Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen

Sicherer Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen: GDA-Best Practice Datenbank

Der GDA Gefahrstoffcheck ermöglicht insbesondere kleinen und mittleren Betrieben ihren Umgang mit Gefahrstoffen zu überprüfen und zu verbessern.

Substitutionsprüfung / GESTIS-Spaltenmodell auf Basis von GHS/CLP

Hilfen für eine einfachere Gefährdungsbeurteilung Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU)

Auswahl von Quellen zu Berufskrebs, Asbest & Mesotheliom

DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Themen: Berufskrankheiten-Statistiken, Trenddaten, Präventionsprogramme, arbeitsbedingter Krebs, EVA Mesothel-Früherkennung.

•           https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/bk-geschehen/index.jsp

•           https://www.dguv.de/ipa/eva-mesothel/index.jsp

•           https://www.gesetzliche-unfallversicherung.de/de/zahlen-fakten/veroeffentlichungen/index.jsp

BAuA – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Themen: Berufskrankheiten-Merkblätter, wissenschaftliche Empfehlungen, Regelwerke, dokumentierte Gefährdungsfaktoren.

RKI – Krebs in Deutschland: Mesotheliom. Themen: Epidemiologie, Inzidenzen, Mortalität, regionale Risikocluster, Trends, Prognosen.

Deutsches Mesotheliomregister (RUB Bochum). Themen: Asbestexposition, Latenzzeiten (30–60 Jahre), historische Fallentwicklung, Pathologie und Berufsbezug (BK 4105)

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